Routermodell für größere Gebäude?

Hallo,
mit Freifunk beschäftige ich mich schon eine Weile. Bislang habe ich als Knoten ausschließlich das Brot-und-Butter-Modell 1043 eingesetzt.
Die bisherige Bestrahlung ausgewählter Flächen soll nun kurzfristig abgelöst werden durch die Ausleuchtung des kompletten Gebäudes. Komplettes Gebäude bedeutet: 4 Geschosse mit Stockwerken von 400 bis über 1000qm Fläche, gut 100 Mitarbeiter.
Bevor ich nun stumpf 1043er einkaufe und fleißig verteile:
Ich bin ja bestimmt nicht der Erste, der so etwas auf dem Schirm hat. Gibt es sinnvollere Router für diesen Zweck? Erreichen andere Modelle größere Flächen, als der 1043?
Es gibt natürlich auf Router, die man wie Rauchmelder unter die Decke schraubt. Das würde allerdings zu einer größeren Elektriker-Aktion ausarten, weil dafür die Verkabelung unter der Decke natürlich nicht vorhanden ist.
Was ist bei so einem Vorhaben “Best-Practice”? Welche Fallstricke kommen auf mich zu?
Kommt ein 1043 als Uplink mit >100 Gästen klar? Oder sollte man mehrere als Uplink definieren, um die Last zu verteilen?

Irgendwo habe ich mal eine Liste gesehen, in der angegeben war, wie viele Gäste welches Modell schafft. Das stammt aber, glaube ich, noch aus der Zeit, in der das VPN verschlüsselt war. Die dortigen Zahlen sollten sich also überholt haben.

Gibt es hier jemanden, der ähnliches bereits realisiert hat und über Erfahrungen berichten kann?

Viele Grüße,
Peter

Hallo Peter, in der Tat sind in diesem Forum schon viele solcher Probleme diskutiert worden. Die Antwort ist natürlich wie immer: Es kommt darauf an! Du hast schon viele Informationen geliefert, aber es fehlen leider immer noch wichtige Details:

  • Wie wird die Verbindung unter den Routern realisiert? Liegen Kabel in jede Etage? Oder sogar in jeden Raum? Oder muss die Verbindung zwischen den Routern unbeingt per WLAN Mesh realisiert werden.
  • Wie sehen die Etagen aus, eher große Hallen oder eher Flure mit dicken Stahlbetonmauern?
  • Wie viele Clients sollen pro Einheit (Etage, Flur, Raum) gleichzeitg ins Internet, welche Bandbreite ist angestrebt.
  • Welcher Uplink liegt dahinter.

Je mehr Details du hier hinterlässt, desto genauer wird auch die Antwort.

Hallo l8com,

vielen Dank für Deine Antwort. Ich liefere Dir gerne mehr Input: :slight_smile:
Die Verbindung zwischen den Routern soll, soweit irgend möglich, per Kabel erfolgen. Es liegt eine strukturierte CAT5-Verkabelung bis in Bodentanks bzw. in Brüstungskanäle. Zwischen den Stockwerken liegt eine LWL-Verkabelung, in Ausnahmefällen zusätzlich Kupfer.
In Sachen Architektur habe ich fast alles dabei. Hier ist es z.B: ein langer Flur mit üblichen 1bis4-Personen-Büros links und rechts und Trockenbauwänden. Die Decken schirmen WLAN-Signale weitestgehend ab.
In “meinem” Stockwerk habe ich gerade mal durchgezählt: auf dem Langen Flur mit ca 400m² sitzen gut 20 Personen. Bei Auslastung der Besprechnugsräume kommen max. 15 Personen dazu.
Die Clients sind überwiegend die privaten Handys der Kollegen.
In Sachen Bandbreite muss ich mal gegenfragen: Wieviel würdest Du sinnvoller Weise für 100 Handys kalkulieren? Es geht sicher nicht darum, einen Livestream für 50 konkurrierende Clients sicherzustellen.
Derzeit peile ich einen Zugang mit VDSL50/10 an. Es kann natürlich auch sein, das der Provider am Ende nur 16Mbit liefert. Doch das entscheidet sich ja erst nach der Beauftragung.
Wie viel Bandbreite und Clients kann den ein 1043 als Uplink-Router verkraften?

Viele Grüße,
Peter

Hallo Peter,

bei einer Installation dieser Größe würde ich auf ein proprietäres System setzen und Freifunk nur als VLAN aufschalten. Dann kannst du auch gleichzeitig für die Mitarbeiter ein firmeninternes WLAN schalten.

Da bieten sich z. B. von Ubiquity die Ufos an. Innerhalb des Gebäudes braucht man nicht meschen, daher braucht man da auch keine Freifunksoftware. Die Controllersoftware kümmert sich dann auch automatisch um verschiedene Kanäle. Ich würde direkt auf Dualbandgeräte setzen. Noch braucht man das vielleicht nicht zwangsläufig, aber schon in ein zwei Jahren wird das absoluter Standard sein.

Bitte bedenke, dass du pro Standort einen Router mit Mesh, also Freifunk-Software, haben müsstest. Das wollen unsere Nutzungsbedingungen so.

Und du solltest auf professionelle PoE-Switche und APs achten. Dann braucht man nicht jedes mal irgendwo hinlaufen, wenn ein Gerät abstürzt. Und falls es Freifunk mal nicht mehr geben sollte, könntest du relativ einfach einen kommerziellen VPN-Provider aufschalten.

Viele Grüße
Matthias

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Andererseits brauchst du durch die verschiedenen Etagen und langen Gänge sowieso mehrere APs. die Ufos sind super aber sie sind teurer (besonders besagte Dual-Bank-Geräte) Sie sind vor allem gut für Deckenmontage um viele Menschen in einem Raum zu versorgen. So ein 1043 kann locker 30 Clients ins Netz bringen, selbst wenn sich 100 einbuchen gibt es noch etwas Bandbreite, wenn nicht alle gleichzeitig surfen (siehe Sporthalle).
Aber hier geht es ja gar nicht darum auf einem AP viele unterzubringen, du kannst hier besser den einen oder anderen zusätzlich aufhängen und im Zweifel sogar die Funkleitung reduzieren, damit sie gut voneinander getrennt sind.
Wenn du Freifunkfirmware einsetzt, würde ich empfehlen im Erdgeschoss, wo es Kontakt nach außen gibt, Mesh auf dem Funknetz einzuschalten und bei den anderen Clients auzuschalten. Wenn sie per Kabel verbunden sind, würde das Funk-Mesh nur stören.
Du kannst übrigens auch 940er einsetzen, die sind noch preiswerter - dafür lieber einen mehr. Allerdings haben die 940er keine Löcher für die Wandmontage. Auf jeden Fall sollten sie über Kopfhöhe hängen, es ist erstaunlich, wie Menschen das Signal schlucken.
Du kannst dann bei benachbarten APs auch mit FFFirmware unterschiedliche Kanäle einstellen, damit sie sich nicht stören. Am Anfang des Flures Kanal 1, dann 6, dann 11, dann erst wieder 1.
Mit mehreren APs und vielen Clients kannst du die 50 MBit locker nutzen, meine Frage ging eher in Richtung Glasfaser. Der 16 MBit Uplink wird sicher ein Flaschenhals. Schon bei wechselnden Besuchern haben wir mehr als 50 Clients pro 100 Besuchern. Bei wiederkehrenden Clients geht das eher in Richtung 100% oder rmehr.
Letztlich ist das auch eine Frage der Investitionskosten. Von den Profi-Ufos würdest du sicher auch mehrere Brauchen um die Etagen und langen Flure abzudecken. Die Ubiquity Firmware kann dann z.B. Clients von einem überfüllten Kanal oder überfüllten AP zum nächsten schupsen. In der Praxis würde ich das aber nicht überbewerten.

Könnte aber auch ein “Problem” ergeben, denn die Clients “kleben” so lange an Ihrem ursprünglichen Kanal bis es gar nicht mehr geht. Erst dann wechseln Sie von z.B: Kanal 1 auf den genau neben einem stehenden Kanal 6 Router. Den “sieht” der Client einfach nicht.

Bei überlappenden Bereichen sollte man unterschiedliche Kanäle nehmen um die Airtime nicht voll zu haben.

Vielleicht ein Bspiel wie ich es vor habe:
https://forum.freifunk-muensterland.de/t/aufbau-im-schwimmbad-duelmen-dueb/2430?source_topic_id=2424
Aber Achtung: Keine Ahnung ob das gehen wird!

Hallo @dippydipp,
schade, auf das verlinkte Thema habe ich leider keine Zugriff.

Die Kanalbelegung benachbarter Router scheint also eine Zwickmühle zu sein:

  • Bei gleichem Kanal können die Clients besser wandern, aber die Router stören sich gegenseitig.
  • Unterschiedliche Kanäle verringern die Störungen und verbessern die Übertragungsleistung, jedoch kleben dann die Clients am Kanal fest.

Das würde dann bedeuten, wenn Gäste per Treppe auf dem Weg ins 3. OG zum Konferenzraum sind, buchen sie sich unterwegs auf einem AP im 2. OG ein. Wenn der AP im Konferenzraum auf einem anderen Kanal sendet, bekommen die Clients diesen u.U. gar nicht zu Gesicht.

Das werde ich zunächst wohl nicht machen können. In und über Kopfhöhe liegt einfach kein Strom und kein CAT5. Und wenn ich das verlegen lassen muss, wird der eine Decken-Router schnell teurer als zweie auf der Fensterbank.

Ja, das ist bestimmt eine schicke und zukunftsträchtige Lösung. Derzeit würde ich aber den pragmatischen Ansatz “Von der Stange” bevorzugen. Jede Sonderlocke bedeutet administrativen Mehraufwand. Und so kann ich ein paar Geräte als Reserve in den Schrank stellen, die auch im Vertretungsfall jeder ohne großartige Vorkenntnisse bei Defekten tauschen kann. Und: “Professionelle WLAN-Komponenten”, die ich jetzt kaufe, sind in 2-3 Jahren wahrscheinlich schon vom alten Eisen. Da kann ich besser heute 10 Stück 1043er oder 940er für kleines Geld kaufen. Und falls es in ein paar Jahren Freifunk nicht mehr gibt, kann ich die dann immer noch durch etwas Anderes ersetzen.

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Hallo Peter,
ich habe gerade beste Erfahrungen mit den Ubiquiti Unifi AP AC Pro gemacht.
Mittlerweile habe ich 26 Geräte davon im Einsatz und die Reichweite ist wesentlich besser als bei den TP-Link 1043.
Ein Gebäude von uns hat auch vier Geschosse und bei diesem Gebäude reichen 9 APs.
Montiert sind 6 Stück an der Wand in ca. 2m Höhe im 1. OG, LAN gibt es aus den Brüstungskanälen, 1 AP zentral im EG und 2 APs zentral im 3. OG.
Im eigenen VLAN sind die APs an POE-Switchen angeschlossen. Ins Internet geht es über Unitymedia 400MBit/s.
Wenn Du noch mehr Input brauchst, dann melde Dich.
Gruss Detlef

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