Textentwurf: "Warum Vorschaltseiten keine Lösung sind" (Warnung: Lang)


#1

Aktuell scheint es bei potentiellen Sponsoren Begehrlichkeiten nach Vorschaltseiten zu geben. Folgender Text würde ich dazu gerne veröffentlichen um mal zu erklären warum wir (bzw ich) das doof finden. Das Ziel ist es die Problematik für nicht-Techniker verständlich zu machen.

Kommentare erwünscht. @Tim @LostInCoding @dippydipp @cplus


((TITEL))

Aktuell erreichen uns Wünsche von möglichen Sponsoren von Freifunk im Münsterland ((konkrete Nennung hier)) die Router doch mit einer “Vorschaltseite” auszurüsten. Wir sind damit aus unterschiedlichen Gründen nicht einverstanden. Im folgenden möchte ich erklären warum nicht und was es mit den Vorschaltseiten überhaupt auf sich hat.

Was ist eine Vorschaltseite?
Allgemein gesagt ist eine “Vorschaltseite” eine Webseite die einem Anwender vor der Nutzung des eigentlichen Angebotes angezeigt wird.

Früher™ war es durchaus üblich das auch eine Webseite solche Vorschaltseiten hatten. Auf dieser wurde dann gerne das Logo des Unternehmen oder ein mehr oder weniger gelungenes „Intro“ angezeigt. Diese sind heute fast vollständig ausgestorben, da dies zu einem verheerend schlechtem Benutzererlebnis führt. Dies kann man z.b. hier nachlesen (http://nitzsche.info/de.pub-2-vorschaltseiten.php)

Im WLAN kennt man Vorschalteten als eine Webseite die einem Nutzer angezeigt wird bevor er/sie das eigentliche WLAN benutzen kann. Dies kann erforderlich sein wenn ein Nutzer z.b. hier die Nutzungsberechtigung für das WLAN käuflich erwerben kann.

((BILD SPLASH PAGE))

Wie funktionieren Vorschaltseiten
Vorschaltseiten sollen automatisch erscheinen, bevor ein Nutzer das WLAN benutzen kann. Nutzer steuern Vorschalteten ja nicht aktiv an.
Wie bekommt man nun ein Gerät dazu eine solche Seite anzuzeigen? Die aktuell übliche Lösung besteht darin jede Anfrage des Gerätes nach einer Webseite zwangsweise auf die Vorschaltete umzuleiten. Dies geschieht entweder durch die Manipulation von DNS Antworten (DNS ist der Dienst welcher einen Namen wie „tagesschau.de“ in eine technisch nutzbare Adresse (dabei handelt es sich nur um eine Zahl) umsetzt). Oder es wird direkt in der Verkehr eingegriffen, d.h. der Versuch eines Gerätes eine Verbindung zu „tagesschau.de“ aufzubauen wird entführt und umgeleitet so das der Anwender eben nicht die Seite der Tagesschau, sondern eine Vorschaltseite zu sehen bekommt.
Nachdem der Nutzer dann tut was die Vorschaltseite von ihm/ihr verlangt wird der Zugang dann ermöglicht.

Technisch besteht nun das Problem das die beiden oben genannten Verfahren zur Anzeige nicht wirklich gut funktionieren. Die bekanntesten Problem sind:

  • Vorschaltseiten funktionieren nicht mit Apps
    Smartphones sind die Geräte mit denen öffentliche WLANs am häufigsten genutzt werden. Heutzutage erfolgt die Nutzung von Online-Diensten von Smartphones aus aber nicht nur mit Webbrowsern sondern vor allem durch kleine Anwendungen (Apps). Photos vom Mobiltelefon hochladen oder teilen erfolgt nicht per Browser sondern per App. Mitteilungsdienste wie WhatsApp, Threema, iMessage funktionieren per App. Soziale Netze wie Twitter, Facebook werden vorwiegend per App genutzt. etc etc.
    ((STATISTIK))

Nun ist es bei diesen Apps so, daß wenn sie versuchen eine Verbindung zu „ihrem Server“ aufzubauen eine bestimmte Antwort erwarten. Wenn sie stattdessen eine - für sie völlig unerwartete und unverständliche - Vorschaltseite erhalten, so zeigen sie im besten Falle eine Fehlermeldung an und funktionieren nicht. Aus Sicht eines Anwenders ist dieser mit einem WLAN verbunden und seien App behauptet das ein obskurer Fehler aufgetreten ist.

  • Vorschaltseiten funktionieren nicht mit verschlüsselten Verbindungen
    Für bestimmte Arten von Nutzungen (elektronischer Handel, Banking) ist es essentiell das die übertragungen Informationen Dritten nicht zugänglich sind. Generell möchte wohl auch niemand seine Kennwörter für Soziale Medien veröffentlichen um dann zuzusehen wie dann seien Reputation ruiniert wird. Der übliche Weg dazu sind verschlüsselte Verbindungen, eine sogenannte Ende-Zu-Ende Verschlüsselung. Im Web ist dies als „HTTPS“ Adressen bekannt.
    Als Freifunk raten wir allen Nutzern dazu nach Möglichkeit nur solche verschlüsselten Verbindungen zu verwenden um sich selbst zu schützen. Dies soll aber nicht nur für das offenbar umverschlüsselte Freifunk WLAN gelten sondern ist in allen Netzen eine gute Idee. Man muss sich darüber klarsein, das die Datenübertragung im Internet selbst umverschlüsselt erfolgt. Es ist ein Trugschluss zu glauben das ein verschlüsseltes WLAN ein wirksamer Schutz vor Lauschern im selben WLAN ist. Kurz: Verschlüsselung ist eine guter Weg sich selbst zu schützen.
    Dies haben auch viele Anbieter erkannt und bieten nicht nur Verschlüsselung an sondern nutzen diese auch Standardmäßig. So z.b Facebook. Google, Amazon, Ebay.
    Hier beginnt auch das Problem:
    Wenn ein Nutzer versucht eine verschlüsselte Verbindung zu sagen wir facebook.com aufzubauen und die Antwort nicht von Facebook.com erfolgt sondern von einer obskuren Vorschaltseite, so wird der Browser des Nutzer hier einen Fehler anzeigen. Dies ist einer der Zwecke von HTTPS Verbindungen: Das ein Nutzer ein gewisses Vertrauen haben kann das er/sie tatsächlich mit der der gewünschten Adresse verbunden ist. Moderne Browser gehen zum Schutz der Nutzer zunehmend dazu über das solche Fehler nicht mehr „übersprungen“ werden können. Kurz: Ein Nutzer gibt eine Adresse ein/an und erhält eine Fehlermeldung. Der Nutzer kann dies nur abstellen, indem er/sie eine Webseite ohne Verschlüsselung aufruft, dort dann die Vorschaltseite gezeigt bekommt und danach seine Reise fortsetzen kann.

  • Vorschaltseiten funktionieren vielfach einfach garnicht
    Mir sind die technischen Hintergründe unklar aber meine Erfahrung zeigt das die Anzeige der Vorschaltseite vielfach auch einfach scheitert. Sie kann auch quälend langsam sein. Oder es fehlen Bilder oder (essentielle) Eingabeelemente.
    Oder Vorschaltseiten erscheinen nicht in der Sprache des Anwenders. Ich kann mich in Vietnam mit einem WLAN verbinden. Was ich nicht kann, ist eine Vorschaltseite auf vietnamesisch zu bedienen. Glücklicherweise gibt es in vietnamesischen WLANs keine Vorschaltseiten, ich habe jedenfalls nie eine gesehen.
    Die Ursache liegt vermutlich darin das diese Vorschaltseiten häufig lokale auf Routern erzeugt werden und diese Funktion nicht wie bei Webseiten üblich laufend flächendeckend auf Funktion kontrolliert wird sondern evtl. Tage oder Wochenlang einfach „kaputt“ ist. So war z.b. meine Erfahrung mit Unitymedia Hotspots in Münster, bei dem ich mich an keinem erfolgreich anmelden konnte.
    Auch scheinen Details der technischen Ausführung von Vorschaltseiten nicht immer mit den üblichen Browsern kompatibel zu sein, was dazu führen kann das ein Nutzer mit einem bestimmten Gerät die Vorschaltseite garnicht überwinden kann.

  • Vorschaltseiten sind eine Barriere
    Vorschaltseiten stellen für alle Nutzer eine zusätzliche Barriere zur Nutzung dar. Dies gilt um so mehr für Menschen für Beeinträchtigungen.
    Selbst wenn die Vorschaltseite (als Webseite) barrierefrei gestaltet ist kann z.b. durch die oben genannte Funktionsstörung von Apps ein zusätzliches Problem darstellen.

  • Vorschaltseiten sind Gift für Maschinen
    Wenn wir vom „Internet der Dinge“ sprechen meinem wir damit Sensoren und Aktoren die in irgendeiner Weise „online“ sind. Online kommen diese Geräte entweder über Mobilfunk oder WLAN. Mobilfunk ist aufgrund des hohen Aufwandes (SIM Karte, Vertrag, Kosten für Daten) nicht für alle Anwendungen geeignet. Flächendeckendes WLAN ist aufgrund der geringen Kosten für viele Anwendungen optimal.
    Optimal, bis der Sensor eine „Vorschaltseite“ serviert bekommt, diese nicht deuten kann und nicht mehr Online ist. Statt einem „Internet der Dinge“ haben wir nur „Dinge“.
    Klingt für mich nicht nach Zukunft.

  • Vorschaltseiten manipulieren den Datenverkehr der Nutzer
    In den vorgenannten Punkten habe ich Beispiele genannt wie die Manipulation von Datenverkehr zu Problem führt.
    Diese Liste ist unvollständig.
    Aus grundsätzlichen Überlegungen lehne ich jeglichen nicht unbedingt erforderlichen Eingriff in den Datenverkehr von Nutzern ab.

Warum überhaupt Vorschaltseiten
Warum überhaupt Vorschaltseiten im WLAN? Mit sind folgende Motive bekannt:

  • Vorschaltseite als "Shop für Nutzungsberechtigungen
    Das kennt man vielleicht aus Hotels und Zügen: Auf der Vorschaltseite kann man eine Nutzungsberechtigung (gerne “Pass” genannt) für mehr oder weniger angemessene Beträge erwerben.
    Der Vorteil für die Nutzer ist hier das sie ein gebührenpflichtiges Netz relativ spontan nutzen können. Für Szenarien rund um Freifunk irrelevant da die Nutzungsberechtigung per Geburt erworben wurde.

  • Vorschaltseite als Loginseite
    Auch z.b. aus Hotels bekannt. Dem Kunden wird ein Login für das WLAN übergeben mit dem dieser sich auf der Vorschaltseite einloggen kann. Früher war dies häufig kostenpflichtig (10€ pro Tag waren da keine Seltenheit) heutzutage ist dies zunehmen eine kostenloser Service.
    Warum der Nutzername/Kennwort nicht für einen direkten Login in ein (verschlüsseltes) WLAN verwendet wird ist mir schleierhaft, dies wäre für solche Fälle die bessere Lösung.
    Eine Variation davon ist das manchmal in der Gastronomie verwendete “Einloggen per Social Media” Account. D.h. die Nutzer bezahlen für die Nutzung des WLAN mit ihren Daten. U.a. erhält der Gastronom Zugang auf die durch den Login exponierten Profildaten der Nutzer.

  • Vorschaltseite als Rechtstreueerklärung
    Dies ist im Zusammenhang mit der aktuell diskutierten Reform des Telemediengesetzes bekannt geworden.
    Die Idee ist wohl das man einen Nutzer darüber belehrt das er/sie keine Rechtsverstösse begehen darf und der Nutzer muss dies per “Klick” akzeptieren.
    Über die Wirkungslosigkeit dieser Maßnahme wurde schon viel geschrieben, so zb und . Im Kern geht es darum das diese Maßnahme wirkungslos sein wird. Eine Person die beabsichtigt eine Rechtsverletzung zu begehen wird sich von einer solchen Erklärung nicht abhalten lassen. Ich stelle mir immer vor das eine Bank am Eingang ein Schild wir folgt aufstellt: “Sie dürfen diese Filiale der Sparkasse Münster nicht überfallen. Wenn sie damit einverstanden sind und versichern sich an diese Vereinbarung zu halten, so treten sie bitte ein”.

  • Vorschaltseite als Marketinginstrument
    Die Idee ist anscheinend auf der Vorschaltseite Werbung in einer gewissen Form zu platzieren. Sei es für den Bereitsteller des Netzes a la “Willkommen im WLAN von” oder “dieses WLAN wird bereitgestellt von” evtl. kombiniert mit weiteren Angeboten oder Hinweisen “Happy Hour von … bis”, “Angebote in der Stadt X”.
    Hier muss man sich vergegenwärtigen in welchem Kontext diese Mitteilungen sichtbar werden. Ein Nutzer verfolgt ein Ziel, nämlich online zu gehen um dann eine bestimmte Aktion auszuführen oder Information abzurufen. Auf dem Weg zu diesem Ziel legt man dem Nutzer nun zusätzliche Hürden in den Weg. Diese Hürden sind nicht einfach zu nehmen wie man sich das vielleicht in einem Marketing-Workshop vorstellt. Siehe dazu die technische Betrachtung oben.
    Dh. man mutet seinem Publikum kaputte Apps, Browser-Fehlermeldungen und weitere frustrierende Erlebnisse vorsätzlich zu. Nutzer erleben das WLAN im besten Falle als “nervig” und im schlimmsten Falle als “kaputt”. Meiner Meinung nach verstehen Nutzer auch den Zusammenhang zwischen ihren Problemen mit dem Netz und Vorschaltseiten.
    In diesem Kontext eine Nachricht a la “Willkommen in der im WLAN der Digitalen Stadt Y” zu platzieren halte ich für insbesondere bei „Digital Natives“ d.h. jungen Leuten für kontraproduktiv. Ich habe keine Forschung zu diesem Thema gefunden aber wenn man sich vergegenwärtigt wie stark eine Vorschaltseite in den Fluss der Nutzer eingreift ist dies als eine drastisch verschärfte Form eines Popover-Ad zu werten.
    Wenn ich (als Anbieter) einen Service bieten möchte, dann möchte ich in der Regel das dieser Service als positiv empfunden wird. Ich bin der festen Meinung das im Falle WLAN die beste Nutzererfahrung und somit auch positive Erleben eines Ortes darin besteht an einem Ort unkompliziert WLAN bereitzustellen und dies als Erfahrung so wirken zu lassen.

FAZIT
Vorschaltseiten:

  • funktionieren in vielen Fällen nicht
  • stellen eine Barriere und Belästigung der Benutzer dar
  • sind unbrauchbar um ein normgerechtes Verhalten der Benutzer zu gewährleisten
  • sind als Marketing-Instrument kontraproduktiv

Aus diesen Gründen lehnen wir Vorschaltseiten ab.

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#2

Android und co blenden schon mal ein „Sie müssen sich im WLAN anmelden ein“. Wie wird das technisch realisiert?

In Warendorf „sponsert“ die Stadt ein solches Netz mit, soweit ich weiß, mit 2000€/Jahr. Dort muss man sich im gleichen Netz, an einem anderen AP wieder „anmelden“, d.h. es ist eine dezentrale Lösung: welche Daten werden erfasst, und wie oft sollte jeweils eine neue „Anmeldung“ verlangt werden?


#3

Ja… aber dieses “Feature” fällt meiner Erfahrung nach eindeutig unter dieser Kategorie:

Hab ich schon öfter erlebt und funktioniert hat es so gut wie nie, meist läd die Seite erst garnicht, wenn man dieser Meldung folgt.

Technisch funktioniert dass wohl so, dass Google ne liste von AP pflegt. Wird nun ein AP mit bekannten Namen gefunden, wird die Meldung einfach ausgegeben.

… wie fehleranfällig dass ist, kann sich wohl jeder denken. …

MfG


Technische Umsetzung von Captive Portal Erkennung
#4

Ich habe 4 Beiträge in ein neues Thema verschoben: Technische Umsetzung von Captive Portal Erkennung


Technische Umsetzung von Captive Portal Erkennung
#5

@kgbvax Super Idee hierfür mal eine Erklärung und einen Text zu schreiben. Vom Aufbau und vom Inhalt her finde ich das schon TOP. Wirklich super!

Was man meiner Meinung nach verbessern könnte, wären noch sprachliche Anpassungen. Ich hab immer so einen negativen Ton im Text festgestellt und einige “flapsige” schreibweisen. Der Nutzer oder Leser lässt sich aber lieber auf freundlich nette und “sauber” formulierte Texte ein. Das hört sich professoneller an und außerdem glaubt er hinterher noch, dass er;der Leser; die Idee gehabt hat, dass Vorschaltseiten “nicht die beste Lösung sind”. Oder wie ich es persönlich lieber mag, ja “kacke” sind. Aber das hört sich halt nicht so gut und zu negativ an und der Leser wird dann hinterher nicht sagen: " Du Kollege, diese Vorschaltseiten die die Regierung möchte sind glaube ich nicht so gut. Ich hab da einen super Text irgendwo im Internet gefunden der das mal super erklärt hat. Wo war das… ach ja beim Freifunk. Daher machen die das auch nicht und ist viel besser als diese ganzen anderen Dinger! Beim Freifunk komm ich wenigstens gescheit ins Internet."


Technische Umsetzung von Captive Portal Erkennung
#6

Ich finde die Idee super, alle Argumente für und vor allem gegen Vorschaltseiten zu sammeln. Der Entwurf ist schon ziemlich gut! Ich würde es sehr begrüßen, wenn daraus ein sauber redigierter Text würde, den wir dann auch als “offizielle” Sichtweise des FF-Münsterland beschließen könnten. Sag Bescheid, wenn man dabei helfen kann!

Ich persönlich bin nicht komplett überzeugt, was die Einschätzung bezüglich Marketing angeht. Ich kann mir schon vorstellen, dass im Einzelfall der positive Effekt für den Sponsor (Sichtbarkeit) überwiegt gegenüber dem Nachteil (Störung zu einem ungünstigen Zeitpunkt). Zumindest wenn man einmal für diese Betrachtung all die anderen starken Argumente außen vor lässt und ein Szenario annimmt, wo z.B. eine chronische Unterversorgung mit WLAN vorhanden ist. Dann könnte in der Tat soetwas wie “Dankbarkeit” beim Nutzer aufkommen, in Richtung “Ah, wie schön; Dank SponsorXY habe ich jetzt hier endlich WLAN”.

Ich glaube nicht, dass man das in den Text aufnehmen sollte. Aber möglicherweise sollte man dieses Argument relativ zu den anderen schwächer bewerten, solange keine stützenden Studien o.ä. vorliegen. Denn sonst kann ein Leser dieses (Bauchgefühl-)Argument für sich anders bewerten. Und dann erscheinen ihm alle anderen starken Argumente im selben Kontext plötzlich auch potentiell schwach, weil er das eine Argument, das er scheinbar selber einschätzen kann, schwächer als der Text bewertet und annimmt, dass das auch für die anderen Argumente gilt.

Nur ein paar Gedanken. Tolle Arbeit. Danke!


#7

Bin der selben Meinung wie woerde, bis auf dem hier:

Ich komme aus einem Bereich, wo noch letztes Jahr freies Wlan ein Fremdwort war.

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen: selbst in einem Ort wie Zwilbroek, wo es selbst mit D1 nur vollkommen überlastetes EDGE gibt, (und eben ziemlich zentral so ein unverschlüsseltes nicht freies Wlan) ist der Ärger ein vielfaches höher als der Nutzen. Mal hat man Empfang, mal nicht und jedes mal must dich neu anmelden.

Also für mich ist es selbst in diesem Beispiel, weitaus angenehmer, WLAN einfach abzustellen.

Und dann eben pro Tweet, ein Kaffee zu trinken XD.

(PS. Solche Orte sind es übrigens, die bevor da Epcan Glas hingelegt hat, noch nichtmal anständig DSL hatten)

Das Argument würde imho nur ziehen, wenn es wirklich keine Alternative gibt, wie z.b. Im Blei ummantelter Kellner. Aber dann würde ich mich wahrscheinlich noch eher genötigt fühlen, als dankbar.

TL:dr

Ich würde eine solche, möglicherweise subjektive Sichtweise auf jeden Fall drin lassen, sie bietet einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert, den ein Sponsor sonnst, aus seiner Sichtweise, niemals sehen würde.

MfG


#8

Ich würde die subjektive Sichtweise auch unbedingt drinlassen! Es handelt sich ja um “Expertenmeinung”; das ist zwar der schwächste (im Vergleich zu einer unabhängigen Studie), aber absolut valide Beleg für das Argument.

Mein Punkt ist ausschließlich folgender: einer Expertenmeinung kann ein anderer (z.B. selbsternannten Marketing-)Experte eine entgegengesetzte Expertenmeinung gegenüberstellen und dem kann man argumentationstheoretisch kaum etwas entgegnen, außer den Experten Status des Gegenüberstellen in Frage stellen; ein mögliches Minenfeld.

Vorschlag: wenn wir es schaffen, die Formulierung zu ändern von " ich finde… " zu "wir finden… ", dann steht da plötzlich keine Einzelmeinung mehr, sondern die belastbare Beurteilung einer Gruppe von wirklich ausgewiesenen Experten (sprich der FF-Community). Das ist dann schon ein starkes Argument, denn wer soll das besser beurteilen können als wir?

Jetzt ist es natürlich einfach, den Text zu ändern; aber ich wollte sagen, dass das dann auch (Erfahrungs-)Konsenz unter uns werden muss. Dazu müssen wir Erfahrungswerte zusammentragen und diskutieren. Genau das passiert hier in diesem Thread. Alles perfekt also :-).

Meine persönliche Erfahrung ist bisher übrigens anders. Aber ich bin auch noch selten in der “WLAN auf der Straße” Situation gewesen, dafür sehr häufig in der “WLAN im Hotel” Situation. Da ist WLAN Roaming natürlich nicht relevant. Was mich persönlich dort immer nervt ist nicht die Vorschaltseite ansich. Dafür hat man schnell einen Workflow drin (ich gehe auf die kürzeste mir bekannte nicht-HTTPS Seite, CT.de, und dann kommt halt die Vorschaltseite). Was mich gigantisch nervt ist dann die Eingabe eines 43stelligen Benutzernamens und alphanumerischen Passworts über mein Mobiltelefon. Aber das ist ja eine andere Geschichte…

Ich kann den Argumenten hier sehr gut folgen und würde mich über weitere Einschätzungen sehr freuen, um meine Meinung und gerne auch den Text weiter zu schärfen.


#9

Vielen Dank für die Mühe @kgbvax! Gelungener Text der sowohl die technische Seite beleuchtet als auch die vermeintlichen Vorteile entkräftet.

Kommt die finale Stellungsnahme dann ins GitHub und/oder auf die Website?


#10

Die Formulierung als “ich” iim Entwurf ist mit Absicht gewählt. Es erlaubt kräftige Positionen zu beziehen.

Ehrlich gesagt weiss ich nicht warum die FF-Community ein ausgewiesener Experte für digitales Marketing sein soll.


#11

Das soll ruhig als persönliche Meinung auf die Seite. Wenn keine Gegendarstellung kommt, wird davon ausgegangen, das wir dahinter stehen.


#12

Nicht unbedingt Experte für digitales Marketing, aber Experte für freie Netze. Beispiel “Roaming” im gesamten Freifunk-Netz. Das ist ein tolles Alleinstellungsmerkmal und geht nicht so richtig mit Vorschaltseite zusammen. Oder Barrierefreiheit. Oder die Tatsache, dass das Netz keinen Besitzer hat, sondern vielen gehört. Die Erwartungshaltung der Nutzer (= potentielle Werbeempfänger) an ein freies Netz ist eine andere als an ein Hotel-WLAN. Man muss die Eigenheiten beurteilen können, um den Effekt des Marketings einzuschätzen. Quasi hier Experte sein…


#13

Also ich finde den Text insgesamt ganz gut, aber finde auch, dass wir das als “die Meinung des Freifunk Münsterlandes” schrieben sollten. Dann kann man den Text bei Nachfragen auch mal verteilen.
Einen Text den ich selbst nicht komplett geschrieben habe und dessen Meinung auch die anderen der Gruppe vertreten, kann ich schlecht mit “ich meine” oder “ich finde” weitergeben.

Das ist doch ne super Vorlage aus der wir was machen können.


#14

Ich freue mich, wenn du, @kgbvax, diesen Meinungsbeitrag jetzt als solchen auch veröffentlichst. Der Text hat jetzt lange genug in Ruhe gereift. Da alles auf unserer Website CC-BY-SA 4.0 ist, kann ihn ja auch jeder übernehmen und abändern, bei Benennung der Quelle und Beibehaltung der Lizenz.

Es stehen eh noch zwei weitere Blogbeiträge aus: Einer von @Lostincoding und mir zur anderen Seite der Medaille (WT) und ein Erfahrungsbericht von mir zu FF in Flüchtlingsheimen. Alle anderen sind auch eingeladen Namensbeiträge zu schalten.


Die Tücken der CC-Lizenzierung
Die Tücken der CC-Lizenzierung
#15

Ich habe 2 Beiträge in ein neues Thema verschoben: Die Tücken der CC-Lizenzierung


Die Tücken der CC-Lizenzierung
#16

https://freifunk-muensterland.de/warum-vorschaltseiten-keine-loesung-sind/